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Volkslieder als Therapie bei Demenzerkrankungen (Alzheimer)
Wiebke Hoogklimmer - Altstimme


Gelobet seist Du, Jesu Christ


Gelobet seist du, Jesu Christ,
Daß du Mensch geboren bist
Von einer Jungfrau, das ist wahr;
Des freuet sich der Engel Schar.
Kyrieleis.

Des ewgen Vaters einig Kind
Jetzt man in der Krippen findt;
In unser armes Fleisch und Blut
Verkleidet sich das ewig Gut.
Kyrieleis.

Den aller Welt Kreis nie beschloß,
Der liegt in Marien Schoß;
Er ist ein Kindlein worden klein,
Der alle Ding erhält allein.
Kyrieleis.

Das ewig Licht geht da herein,
Gibt der Welt ein' neuen Schein;
Es leucht' wohl mitten in der Nacht
Und uns des Lichtes Kinder macht.
Kyrieleis.

Der Sohn des Vaters, Gott von Art,
Ein Gast in der Welt hier ward,
Und führt uns aus dem Jammertal,
Er macht uns Erben in sein'm Saal.
Kyrieleis.

Er ist auf Erden kommen arm,
Daß er unser sich erbarm
Und in dem Himmel mache reich
Und seinen lieben Engeln gleich.
Kyrieleis.

Das hat er alles uns getan,
Sein groß Lieb zu zeigen an.
Des freu sich alle Christenheit
Und dank ihm des in Ewigkeit.
Kyrieleis.


Text: 1. Strophe Medingen um 1380, 2.-7. Strophe Martin Luther 1524 - (1483-1546)
Melodie: Medingen um 1460, Wittenberg 1524


Ein ausführlicher Text zur Entstehungsgeschichte vom Forschungsprojekt des Deutschen Volksliedarchivs:
Michael Fischer: Gelobet seist du, Jesu Christ (2007). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon. http://www.liederlexikon.de/lieder/gelobet_seist_du_jesu_christ/


"Gelobet seist du, Jesu Christ" ist eine Schöpfung Martin Luthers (1483–1546). Das theologisch dichte Weihnachtslied gehört heute zum Gemeinbestand der christlichen Konfessionen. Allerdings zählt es in der Gegenwart – außerhalb von Kirche und Gottesdienst – nicht zu den populären Weihnachtsliedern, vermutlich weil es inhaltlich und musikalisch sehr anspruchsvoll ist.

I. Die erste Strophe des Liedes wendet sich in direkter Rede lobpreisend an Jesus Christus. Gedacht wird des Geheimnisses der Menschwerdung, das in den folgenden Strophen entfaltet wird. Thematisiert wird vor allem die Stellung des göttlichen Kindes in Bezug auf den Vater und auf die Menschen. Der erste Aspekt bezieht sich damit auf christologische und trinitätstheologische Fragestellungen, der zweite auf soteriologische, also auf das durch Christus gewirkte Heil. Zugleich wird die Reaktion der Engel (Strophe 1) und Menschen (Strophe 7) beschrieben.

II. Literarisch und liturgisch geht der Gesang "Gelobet seist du, Jesu Christ" auf eine deutschsprachige Liedstrophe (Leise) aus vorreformatorischer Zeit zurück, die sich wiederum von der lateinischen Weihnachtssequenz "Grates nunc omnes" herleitet (Edition A). Damit war nicht nur die theologische Ausrichtung, sondern auch der "objektive" Ton vorgegeben. Biblisch gesehen orientiert sich Luthers Lied (Edition B) am Johannes-Prolog (Joh 1), nicht aber an der erzählfreudigen Weihnachtsgeschichte (Lk 2). In formaler Hinsicht ist die symmetrische Anlage auffällig: Jeweils zwei Strophen korrespondieren miteinander (von außen nach innen gezählt), so dass sich folgende Abfolge von Schlüsselwörtern ergibt: "freuet" (Strophe 1), "armes" (2), "Welt" (3), "Licht" "mitten", "Licht" (4), "Welt" (5), "arm" (6) und "freu" (7).

III. Die älteste zuverlässige Quelle für das Lutherlied stellt das Chorgesangbuch von Johann Walter (1496–1570) aus dem Jahr 1524 dar (Edition B). Die dort abgedruckte Melodie (mixolydisch) dürfte vorreformatorischen Ursprungs sein und orientiert sich – wie bereits der Text – an der Sequenz. Entstanden ist das Lied, wie Andreas Marti vermutet, in der Adventszeit des Jahres 1523.

IV. Im Streit um den rechten Glauben und die wahre Kirchenreform übernahm die katholische Religionspartei Lieder der Evangelischen, genauso wie die Reformatoren mittelalterliche Vorlagen aufgegriffen und verändert haben. Im Gesangbuch von Johann Leisentritt (1527–1586) wurde eine freie Bearbeitung abgedruckt, in der konfessionelle Elemente (Verehrung Mariens, der Heiligen) herausgestellt werden (Edition C). Das "Groß Catholisch Gesangbuch" von Gregor Corner (Nürnberg 1631) hingegen übernahm die sieben Strophen von Martin Luther, fügte jedoch die zweite und dritte Strophe aus Leisentritts Gesangbuch zusätzlich an. Unabhängig von der jeweiligen Fassung wurde das Lied in zahlreiche katholische Gesangbücher des 16. und 17. Jahrhunderts aufgenommen (etwa Dillingen 1576 und 1598, Konstanz 1600, Paderborn 1609ff., Würzburg 1628ff., Münster 1677).

V. Prominent vertreten ist der Choral im Werk Johann Sebastian Bachs (1685–1750), was zugleich die hervorgehobene Stellung des Liedes in der lutherischen Frömmigkeit und Liturgie unterstreicht. Anzuführen sind mehrere Orgelbearbeitungen, die Choralkantate BWV 91 zum Weihnachtsfest 1724 sowie die Integration in das "Weihnachtsoratorium" BWV 248 (erster Teil: Choral und Rezitativ "Er ist auf Erden kommen arm" dritter Teil: Choral: "Dies hat er alles uns getan").

VI. Im Zeitalter der Aufklärung gab es verschiedene Versuche, das Lutherlied theologisch und sprachlich zu revidieren, u.a. von Friedrich Gottlieb Klopstock (1724–1803) in seinen "Geistlichen Liedern" (Edition D). Ganz neue Akzente wurden in der Fassung aus dem Osnabrücker Gesangbuch von 1786 gesetzt, etwa wenn in der zweiten Strophe auf die Väter (gemeint sind die alttestamentlichen Patriarchen und Propheten) Bezug genommen wird (Edition E). Auffallend ist, dass in beiden Bearbeitungen das "Kyrieleis" am Ende getilgt wird. Im Osnabrücker Gesangbuch wurde stattdessen "Gelobt sey Gott!" gesetzt, die Verdeutschung des hebräischen Wortes "Hallelujah".

VII. Mit der Lutherrenaissance im 19. Jahrhundert und der Choralrestauration wurde die ursprüngliche Fassung des Liedes wieder hergestellt (Edition F). Katholischerseits gibt es ebenfalls einen Traditionsstrang, der vom 16. bis in das 19. Jahrhundert reicht. 1938 wurde das Lied in der Sammlung "Kirchenlied" gedruckt, allerdings ohne Nennung des Autors. Erst im "Gotteslob", dem katholischen Einheitsgesangbuch aus dem Jahr 1975, bekannte man sich nicht nur zu diesem Weihnachtslied, sondern auch zu seinem Autor Martin Luther.

MICHAEL FISCHER
(Dezember 2005 / Juni 2007)

Literatur
  • Andreas Marti: Gelobet seist du, Jesus Christ. In: Ökumenischer Liederkommentar zum Katholischen, Reformierten und Christkatholischen Gesangbuch der Schweiz. Freiburg (Schweiz) 2000ff. (Loseblatt-Sammlung).
  • Axel Stock: Gelobet seist du, Jesu Christ. In: Geistliches Wunderhorn. Große deutsche Kirchenlieder. Hrsg., vorgestellt und erläutert von Hansjakob Becker u.a. München 2001, S. 69–75.
  • Gerhard Hahn: Evangelium als literarische Anweisung. Zu Luthers Stellung in der Geschichte des deutschen kirchlichen Liedes. München 1981, S. 181–190.
Editionen und Referenzwerke
  • Das deutsche Kirchenlied 2004, Abt. II, Bd. 2, S. 130 (Nr. 261f).
  • Luther 1985, S. 60 (Kommentar) und S. 165ff. (Edition).
  • Erk/Böhme 1894, Bd. 3, S. 627 (Nr. 1919).
  • Zahn 1889, Bd. 1, S. 522f. (Nr. 1947).
  • Bäumker 1886, Bd. 1, S. 271–275 (Nr. 30).
  • Fischer 1878, Bd. 1, S. 209.
  • Wackernagel 1870, Bd. 3, S. 9 (Nr. 9).
Quellenübersicht
  • Ungedruckte Quellen: kaum Aufzeichnungen aus mündlicher Überlieferung
  • Gedruckte Quellen: überaus häufig in Kirchengesangbüchern, vereinzelt auf Flugschriften, verschiedentlich in Gebrauchsliederbüchern
  • Bild-Quellen: vereinzelt auf Liedpostkarten
  • Tondokumente: sehr viele Tonträger (über 200)

Berücksichtigt werden hier primär Quellen, die im Deutschen Volksliedarchiv (DVA) erschlossen sind. Darüber hinaus wurden auch die Bestände des Gesangbucharchivs Mainz sowie (hinsichtlich der Tonträger) des Deutschen Musikarchivs Berlin miteinbezogen.

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