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Volkslieder als Therapie bei Demenzerkrankungen (Alzheimer)
Wiebke Hoogklimmer - Altstimme


Wenn die Bettelleute tanzen


Wenn die Bettelleute tanzen,
wackeln Kober und der Ranzen.
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
wackeln Kober und der Ranzen.

Kommet man über eine Brücke,
klappern sie mit Stock und Krücke.
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
klappern sie mit Stock und Krücke.

Kommt der Bauer vor die Türe,
stehn da gleich ein Stücker viere.
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
stehn da gleich ein Stücker viere.

Kommen sie in eine Schänke,
spring'n sie über Tisch und Bänke.
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
spring'n sie über Tisch und Bänke.

Haben sie nun ausgesaufet,
wird der Bettelsack verschmauset.
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
wird der Bettelsack verschmauset.

Eingemachte Kalbgesichte
Sind das erste Leibgerichte.
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
sind das erste Leibgerichte.

Dann stibitzte Vogeleier,
mit sauren Gurken für zwei Dreier.
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
mit sauren Gurken für zwei Dreier.

Für die Sechser und die Groschen
schnapsen drauf sie unverdrossen.
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
schnapsen drauf sie unverdrossen.

Nun wohlan, ihr Schwestern, Brüder!
Seid ihr satt und legt euch nieder.
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
seid ihr satt und legt euch nieder!

's wird euch keiner etwas mausen.
Morgen wolln wir wieder schmausen!
Ei ja, ei ja, ei ja, so gehtís, so gehtís, so gehtís,
ei so gehtís, so gehtís, ei so gehtís, so gehtís,
Morgen wolln wir wieder schmausen!


Text und Melodie: nach der mündlichen Überlieferung 1839 erstmals aufgezeichnet


Ein ausführlicher Text zur Entstehungsgeschichte vom Forschungsprojekt des Deutschen Volksliedarchivs:
Tobias Widmaier: Wenn die Bettelleute tanzen (2008). In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon. http://www.liederlexikon.de/lieder/wenn_die_bettelleute_tanzen/


Aus der mündlichen Singpraxis aufgezeichnet erschien "Wenn die Bettelleute tanzen" erstmals 1839 in einem Volksliederbuch. Erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts wird es als Scherzlied breiter tradiert.

I. Der Volksliedsammler Ludwig Erk zeichnete "Wenn die Bettelleute tanzen" mehrfach aus mündlicher Überlieferung auf. Er veröffentlichte das Lied, welches eine Randgruppe der Gesellschaft scherzhaft aufs Korn nimmt, zuerst 1839 im dritten Heft der "Deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen" (Edition A).

II. Ein Anstoß zu dieser anonymen Schöpfung waren möglicherweise alltägliche Begegnungen mit den Versehrten der Befreiungskriege, die seinerzeit vielfach von Almosen lebten. Die besungenen "Bettelleute" treten in Gruppen auf und unterstreichen ihre Bedürftigkeit mit Hinweis auf körperliche Gebrechen bzw. Verletzungen. Im Wesentlichen kreist der Liedtext um die offenbar belustigende Vorstellung, die Bettler würden ein gleichwohl ausgelassenes Leben führen, wobei sich die aufgezählten Speisen ihrer Schmausereien als ungenießbar erweisen ("eingemachte Kalbsgesichte", Fischschwänze, faule Eier, Kröten). Vor behördlicher Kontrolle schließlich fliehen sie, wie die letzte Strophe spöttisch bemerkt. Das Lied erschien in einer veränderten Fassung wenig später auch in Gottfried Wilhelm Finks "Musikalischem Hausschatz der Deutschen" (1843) unter dem bezeichnenden Titel "Bettlerlust" und mit der Vortragsanweisung "Lustig" (Edition B). Ergänzend wird hier thematisiert, dass die "Bettelleute" saufen ("schnapsen"). Abends gingen sie "satt" zur Ruhe mit dem Vorsatz, am nächsten Tage "wieder schmausen" zu wollen.

III. Hinsichtlich der Liedherkunft machte Erk 1839 die Angabe "Mündlich aus Schlesien". August Heinrich Hoffmann von Fallerslebens zeitnah veröffentlichte Sammlung "Schlesische Volklieder" (1842) enthält "Wenn die Bettelleute tanzen" allerdings nicht. Die von Erk mitgeteilte Melodie des Liedes griff Hoffmann von Fallersleben im Frühjahr 1844 auf und schrieb zu ihr das Kinderlied "Wenn die Nachtigallen schlagen".

IV. Aus der zweiten Hälfte des 19. sowie der ersten des 20. Jahrhunderts lassen sich nur vereinzelte Rezeptionsbelege des Liedes finden (z. B. Jocosus. Alte und neue Scherzlieder. Mit Pianoforte-Begleitung hrsg. von Franz Ludwig Schubert. Leipzig 1867). Im 20. Jahrhundert findet sich das Lied zunächst gelegentlich im Umfeld der Jugendbewegung sowie in (Schul-)Liederbüchern der NS-Zeit. Aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg hat "Wenn die Bettelleute tanzen" eine gewisse Verbreitung in Gebrauchs- sowie in Schul- und Jugendliederbüchern gefunden (Edition C). Zum Teil wurde dabei auf jene Strophen verzichtet, in denen die Speisenfolge der Bettler benannt wird (Edition D).

TOBIAS WIDMAIER
Quellenrecherche: JOHANNA ZIEMANN
(April 2008)

Editionen und Referenzwerke Quellenübersicht
  • Ungedruckte Quellen: vergleichsweise wenige Aufzeichnungen aus mündlicher Überlieferung
  • Gedruckte Quellen: verschiedentlich in Gebrauchsliederbüchern
  • Bild-Quellen: —
  • Tondokumente: etliche Tonträger

Berücksichtigt werden hier primär Quellen, die im Deutschen Volksliedarchiv (DVA) erschlossen sind. Hinsichtlich der Tonträger wurden auch die Bestände des Deutschen Musikarchivs (Berlin) miteinbezogen.

© Deutsches Volksliedarchiv


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